Der geschlossene Hof

 

Das Südtiroler Landschaftsbild wird wesentlich von der Streusiedlung geprägt. Die Waldlichtungen mit Haus und Stadel des Bauern und die umliegenden Grundstücke bilden einen Hof. Unter Hof versteht man also in Tirol die Gesamtheit der Bauten und Grundstücke, die zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehören.

Der Hof ist dann "geschlossen", wenn er nicht geteilt werden darf und als Ganzes vererbt werden muss. Noch zu Lebzeiten überträgt der Besitzer den ganzen Hof seinem Nachfolger. 1526 verbot die Tiroler Landesordnung die Realteilung. Dies zur Sicherung und zum Fortbestand der Höfe und der bäuerlichen Familien und um der Verarmung entgegenzuwirken.

So hat beispielsweise im südlicheren Italien die mehrmalige Zerstückelung des Grundbesitzes zur Landflucht und zum Verlassen der Bergdörfer geführt. Während des Faschismus wurde das Gesetz des geschlossenen Hofes abgeschafft, vom Großteil der Bauern aber freiwillig weitergeführt, bis es in den 1950er Jahren als Landesgesetz wieder eingeführt wurde.

Von den ca. 19.000 landwirtschaftlichen Betrieben Südtirols sind über 11.000 Höfe "geschlossen" – dies zeugt für einen lebendigen Brauch, der heute noch aktueller und wichtiger denn je ist.

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