Kurioses & Geschichtliches
Erfahren Sie mehr über unsere Umgebung und Bräuche, Südtirol und dessen Geschichte.
Wussten Sie schon, dass ...
- die gesamte Waldfläche im Passeiertal ca. 8.070 ha beträgt?
- es im Tal ca. 500 Bauernhöfe gibt?
- die Wiege von Johann Staffler (1783-1868) in St. Leonhard stand und sein Hauptwerk „Historische und politische Landesbeschreibung von Tirol und Vorarlberg“ noch heute als grundlegendes Werk gilt?
- der aus dem Passeiertal stammende Johannes Haller im Jahre 1895 zum Kardinal ernannt worden ist und der erste Purpurträger aus dem Bauernstand war?
- St. Martin eine berühmte Malerschule hatte?
- das uns gegenüberliegende Bergdorf Stuls auch am kürzesten Tag sieben Stunden Sonneneinstrahlung hat?
- das Timmelsjoch der einzige eisfreie Übergang über den Alpenhauptkamm zwischen Reschen und Brenner und außerdem der dritthöchste Pass der Ostalpen ist?
- das Silberbergwerk Schneeberg das höchstgelegene Bergwerk Europas (2.355 m) war?
- die Aufzuchtstätte der Haflinger-Pferderasse nicht in Hafling sondern in St. Leonhard ist?
Platt um 1890
Platt im Jahr 2009
Dorf- & Gemeindegeschichte
Fast ein halbes Jahrtausend (15 v. Chr. – 476 n. Chr.) gehörte das Land im Gebirge zum Imperium Romanum. Zahlreiche keltische und romanische Flurnamen weisen auf diese Zeitepoche hin, wie z. B. „Tasach“ (keltisch für „dagisia“ = Nadelholzzweig).
Um 600 n. Chr. drangen die Bajuwaren in den Tiroler Raum ein. Etwa im 11. Jahrhundert begann eine intensive Rodungsperiode, die in mehreren Wellen bis ins 14. Jahrhundert andauerte. In dieser Zeit wurden von germanischen Siedlern weite Flächen zur Gewinnung von Viehweiden, Mähdern und Getreideäckern gerodet.
Mit der Anlage sogenannter Schwaighöfe stieß die Besiedlung und Erschließung immer weiter in die Hochlagen vor. Aus dieser Zeit stammen viele der heute noch bestehenden Hofstellen, bzw. die große landwirtschaftliche Nutzfläche. Viele Hofnamen, wie z. B. „Untermagdfeld“, „Saldern“ oder „Unterwald“, weisen darauf hin.
Unser Nachbarhof „Kratzegg“ liegt auf 1.525 m und ist die höchstgelegene Dauersiedlung des Gebietes.
Die Ortsbezeichnung Platt taucht erstmals 1288 im Urbar Meinhard II als „hof ze Platten“ auf. Dieser Hof musste zu Pfingsten „6 pfunt“ und zu Martini „8 pfunt, 2 fleisch, 1 lamp und ein swein“ an den Grundherrn als Abgabe entrichten. Auch der Name des Dorfes ist germanischen Ursprungs und bedeutet in etwa soviel wie „abgeplatteter Felsvorsprung, kleine Verebnung, Felsplatte“.
Bis 1928 bildeten Platt mit Pfelders, Moos mit Stuls sowie Rabenstein mit weiteren verstreuten Höfen drei eigenständige Gemeinden. Der Weiler Ulfas, wo sich unser Hof befindet, gehörte zu Platt mit Pfelders.
Während der Faschistenzeit wurden die drei Gemeinden zu einer einzigen zusammengeschlossen: der Gemeinde Moos in Passeier, mit den fünf Fraktionen Moos, Platt, Pfelders, Stuls und Rabenstein sowie den Weilern Ulfas, Hütt und Pill. Die Gemeinde umfasst ein Gebiet von ca. 190 km² mit etwa 2.000 Einwohnern.
Gletschermühle
Geologische Besonderheiten
Zu den geologischen Besonderheiten dieser Gegend zählen neben dem „Stieber“-Wasserfall zweifelsohne die herrlichen in den Fels gedrechselten Gletschermühlen am Talhang unterhalb von Platt. Dabei handelt es sich um unterschiedlich große, während der Eiszeit vom Schmelzwasser zylindrisch in den Felsen eingefräste Löcher.
Ein atemberaubendes Zeugnis aus der Eiszeit sind die vielen vom Gletschereis abgescheuerten und abgeschliffenen Rundbuckel und Felsflächen unterhalb von Platt, die sogenannten Gletscherschliffe.
Geschichte Südtirols
Wichtige Eckdaten aus der Geschichte Südtirols von der Namensgebung im Jahre 1253 bis heute finden Sie hier.
Der geschlossene Hof
Das Südtiroler Landschaftsbild wird wesentlich von der Streusiedlung geprägt. Die Waldlichtungen mit Haus und Stadel des Bauern und die umliegenden Grundstücke bilden einen Hof. Unter Hof versteht man also in Tirol die Gesamtheit der Bauten und Grundstücke, die zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehören.
Der Hof ist dann „geschlossen“, wenn er nicht geteilt werden darf und als Ganzes vererbt werden muss. Noch zu Lebzeiten überträgt der Besitzer den ganzen Hof seinem Nachfolger. 1526 verbot die Tiroler Landesordnung die Realteilung. Dies zur Sicherung und zum Fortbestand der Höfe und der bäuerlichen Familien und um der Verarmung entgegenzuwirken.
So hat beispielsweise im südlicheren Italien die mehrmalige Zerstückelung des Grundbesitzes zur Landflucht und zum Verlassen der Bergdörfer geführt. Während des Faschismus wurde das Gesetz des geschlossenen Hofes abgeschafft, vom Großteil der Bauern aber freiwillig weitergeführt, bis es in den 1950er Jahren als Landesgesetz wieder eingeführt wurde.
Von den ca. 19.000 landwirtschaftlichen Betrieben Südtirols sind über 11.000 Höfe „geschlossen“ – dies zeugt für einen lebendigen Brauch, der heute noch aktueller und wichtiger denn je ist.
Unsere Tracht
Frauentracht: Das Oberteil der Tracht („Tschoap“), ist schwarz und aus schönem Wollstoff. Die Weste („Leibl“) ist eng anliegend, hat weich fallende, lange sich verengende Ärmel. In den Halsausschnitt ist ein kleines Tüchlein gelegt. Über das „Leibl“ gehört ein Fransentuch aus Seide, dessen Farbe mit der bestickten Seidenschürze übereinstimmt. Der Kittel ist gereiht und schwarz.
Männertracht: Am braunen Lodenjoppen befindet sich eine rot-grüne Einfassung. Der untere Teil des Rückens hat drei Falten. Metallknöpfe schließen den Joppen. Die Weste ist rot, hochgeschlossen, hat zwei Reihen kleine Messing- oder Silberknöpfe. Ein farbiges Seidentuch bildet die Halsbinde. Das Hemd ist aus weißem, festem Baumwollstoff bzw. Leinen, hat weite, handgereihte Ärmel, ist bis zur Brusthöhe geschlossen und trägt am Kragen Hexenstichverzierungen. Zur Tracht wir eine lange Lodenhose oder zu festlichen Anlässen die lederne Kniehose getragen. Dazu gehört ein Ledergurt mit Kielstickerei. Der schwarze Hut hat eine aufgebogene Krempe, eine schwarze Schnur mit zwei Quasten an deren Ende.
Bräuche
Anfang Jänner gehen die Sternsinger von Haus zu Haus und sammeln Geld für die Mission.
Am Dreikönigsabend (5.) findet die Haussegnung statt. Jede Familie geht mit einem Weihrauchfass und Weihwasser betend durch das ganze Haus und den Stall/Stadel. An die Haustüren wird mit Kreide das Zeichen „C+M+B“ und die Jahreszahl geschrieben. Das bedeutet „C“ = Christus, „M“ = Mansionem und „B“ = Benedicat („Christus segne dieses Haus“).
Im Februar, also in der Faschingszeit, treiben Groß und Klein ihren Unfug.
In der Fastenzeit bereiten sich alle auf Ostern vor. Der Osterputz gehört dabei ebenso dazu wie das Färben von Eiern. Am Ostersonntag werden Eier, Fleisch, Brot und andere Speisen in die Kirche zur Osterweihe getragen.
Am ersten Samstag im Mai findet der Kreuzgang nach Moos statt, zu dem sich alle Fraktionen versammeln. Für gute Witterung und eine gute Ernte wird bei Bittgängen zu den Kapellen im Dorf gebetet.
Im Juni werden zum Gedenken an das Jahr 1796, als die Tiroler in Bozen das Land Tirol dem Herzen Jesu weihten, die Herz-Jesu-Feuer entzündet. Ebenso findet die Herz-Jesu-Prozession statt.
Am 15. August wird überall Hoch-unser-Frauentag (Mariä Himmelfahrt) gefeiert. Beim Gottesdienst werden Kräuter und Blumensträuße geweiht. Diese werden daheim bei Gewitter angezündet, damit wir vor Hagel und Blitz verschont bleiben mögen.
Im September, am 2. Sonntag im Monat, haben wir in Platt immer Prozession zur Ehre Mariens. Auch der große Almabtrieb in Pfelders ist immer Ende dieses Monats.
Der Oktober bringt uns das Erntedankfest.
Im November, zu Allerheiligen und Allerseelen, werden die Gräber geschmückt.
Zu Beginn der Adventzeit wird ein Adventkranz oder ein Adventgesteck gemacht. Am Barbaratag (4.) werden Kirschzweige eingefrischt, welche bis zur Weihnachtszeit blühen sollten und am Nikolaustag (6.) werden die Kinder vom Nikolaus beschenkt.
Im Laufe des Jahres gibt es auch einen Brauch, der zur jeder Zeit eintreffen kann: Zwei Wochen vor einer Hochzeit kommen die „Schnöller“ für eine Woche zum zukünftigen Ehepaar und wünschen ihnen viel Glück und Segen. Dabei wird gesungen, getanzt, musiziert, gegessen und getrunken bis in den Morgen hinein.





