Ferienwohnungen Rauchegg, Passeiertal, Südtirol Kurioses und Geschichtliches - Ferienwohnungen Rauchegg

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Wissenswertes, Kurioses und Geschichtliches
Hier finden Sie Wissenswertes und Kurioses rund um das Passeiertal, Informationen zur Dorfgeschichte von Platt und der Geschichte Südtirols sowie dem geschlossenen Hof, unserer Tracht und einigen unserer Bräuche.
Wussten Sie schon, dass...
  • die gesamte Waldfläche im Passeiertal ca. 8.070 ha beträgt?
  • es im Tal 515 Bauernhöfe gibt?
  • die Wiege von Johann Staffler (1783-1868) in St. Leonhard stand und sein Hauptwerk "Historische und politische Landesbeschreibung von Tirol und Vorarlberg" noch heute als grundlegendes Werk gilt?
  • der aus dem Passeiertal stammende Johannes Haller im Jahre 1895 zum Kardinal ernannt worden ist und der erste Purpurträger aus dem Bauernstand war?
  • St. Martin eine berühmte Malerschule hatte?
  • das Bergdörflein Stuls auch am kürzesten Tag sieben Stunden Sonneneinstrahlung hat?
  • das Timmelsjoch der einzige eisfreie Übergang über den Alpenhauptkamm zwischen Reschen und Brenner und außerdem der dritthöchste Pass der Ostalpen ist?
  • das Silberbergwerk Schneeberg das höchstgelegene Bergwerk Europas (2.355 m) war?
  • die Aufzuchstätte der Haflinger-Pferderasse nicht in Hafling sondern in St. Leonhard ist?
Dorfgeschichte von Platt
Schon in prähistorischer Zeit durchstreifte der Mensch diese Gegend, wie die Funde eines Bronzebeiles am Strizonjoch und eines eisenzeitlichen Lappenbeiles in Ulfas bezeugen. Die letzten 500 Jahre vor Christus wurde der Alpenraum von Völkerschaften mit keltischen und anderen germanischen Wurzeln geprägt - von den Römern als "Räter" bezeichnet.

Fast ein halbes Jahrtausend (15 v. Chr. - 476 n. Chr.) gehörte das Land im Gebirge zum Imperium Romanium. Zahlreiche keltische und romanische Flurnamen weisen auf diese Zeitepoche hin, wie z.B. Tasach (keltisch für "dagisia" = Nadelholzzweig).

(im Bild Platt um 1890)
Um 600 n.Chr. drangen die Bajuwaren in den Tiroler Raum ein. Etwa im 11. Jahrhundert begann eine intensive Rodungsperiode, die in mehreren Wellen bis ins 14. Jahrhundert andauerte. In dieser Zeit wurden von germanischen Siedlern weite Flächen zur Gewinnung von Viehweiden, Mähdern und Getreideäckern gerodet.

Mit der Anlage sogenannter "Schwaighöfe" stieß die Besiedlung und Erschließung immer weiter in die Hochlagen vor. Aus dieser Zeit stammen viele der heute noch bestehenden Hofstellen, bzw. die große landwirtschaftliche Nutzfläche. Viele deutsche Hofnamen, wie z.B. Untermagdfeld, Saldern oder Unterwald, weisen darauf hin.

Unser Nachbarhof "Kratzegg" liegt auf 1.525 m und ist die höchstgelegene Dauersiedlung des Gebietes.

Die Ortsbezeichnung Platt taucht erstmals 1288 im Urbar Meinhard II als "hof ze Platten" auf. Dieser Hof musste zu Pfingsten "6 pfunt" und zu Martini "8 pfunt, 2 fleisch, 1 lamp und ein swein" an den Grundherrn als Abgabe entrichten. Auch der Name des Dorfes ist germanischen Ursprungs und bedeutet in etwa sowiel wie "abgeplatteter Felsvorsprung, kleine Verebnung, Felsplatte".

(im Bild Platt 2009)
Zu den geologischen Besonderheiten dieser Gegend zählen neben dem Stieber-Wasserfall zweifelsohne die herrlichen in den Fels gedrexelten Gletschermühlen am Talhang unterhalb von Platt. Dabei handelt es sich um unterschiedlich große, während der Eiszeit vom Schmelzwasser zylindrisch in den Felsen eingefräste Löcher.
Ein atemberaubendes Zeugnis aus der Eiszeit sind die vielen vom Gletschereis abgescheuerten und abgeschliffenen Rundbuckel und Felsflächen unterhalb von Platt, die sogenannten Gletscherschliffe.
Geschichte Südtirols in Kürze
1253 Die Grafen von Tirol bringen das "Land im Gebirge" unter ihre Herrschaft und geben ihm den Namen "Tirol".
1363 Das Geschlecht der Tiroler Grafen stirbt in männlicher Linie aus. Die letzte Gräfin von Tirol, Margarete Maultasch, übergibt das Land Tirol ihrem Vetter, Rudolf von Habsburg. So kommt Tirol zu Österreich.
1805 Im Verlaufe der napoleonischen Kriege ("Friede von Pressburg") kommt das nördliche Land an Bayern, das mit Napoleon verbündet ist. Der südliche Teil des Landes kommt zum "Regno d'Italia".
1809 Die Bayern verordnen den Tirolern verschiedene Zwangsmaßnahmen, die diese sehr verbittern. Unter dem Oberkommando von Andreas Hofer greifen die Tiroler zu den Waffen. Am Berg Isel bei Innsbruck erringen die Tiroler drei Siege gegen den übermächtigen Feind. Der vierte Aufstand schlägt fehl. Andreas Hofer kann fliehen, wird verraten, gefangen genommen und am 20. Februar 1810 in Mantua erschossen.
1882 Zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Italien wird ein Freundschaftsvertrag, der sogenannte "Dreibund" abgeschlossen. Dieser sieht bei einem Angriff auf einen dieser Staaten die gegenseitige Hilfe vor.
1914 Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Ferdinand und seine Gemahlin am 28. Juni 1814 bildet den Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Italien fühlt sich nicht an den "Dreibund" gebunden, da Österreich nicht angegriffen worden ist, sondern von sich aus den Krieg erklärt hat.
1915 Italien schließt mit Frankreich und Großbritannien das "Londoner Geheimabkommen". Dabei werden Italien unter anderem Südtirol, das Trentino und Triest versprochen. Italien erklärt den Mittelmächten am 24. Mai 1915 den Krieg.
1919 Im Friedensvertrag von St. Germain wird Südtirol Italien zugesprochen. Die königliche Regierung unter Viktor Emanuel III. verspricht, den Südtirolern ihre Sprache, Bräuche und Kultur zu lassen.
1922 Mit dem sogenannten "Marsch auf Rom" kommt Benito Mussolini an die Macht, die Ära des Faschismus beginnt. Ziel der Faschisten in Südtirol ist es, das Land zu italienisieren. Hierzu ergreift die Regierung eine Reihe von Maßnahmen, wie zum Beispiel die Abschaffung der deutschen Schule; das Verbot der deutschen Sprache in öffentlichen Ämtern und das Verbot deutscher Aufschriften; das Verbot deutscher Namen und die teilweise willkürliche Übersetzung; die Italienisierung von Vornamen und vielen Familiennamen (u.a. sogar nachträglich auf Grabsteinen); die Umsiedlung zehntausender Italiener, die meist selbst aus sehr armen Regionen stammten.
1939 Zwischen der deutschen und der italienischen Regierung wird ein "Umsiedlungsvertrag" abgeschlossen: das "Optionsabkommen". Dieses sieht vor, dass sich die Südtiroler entweder für Italien oder für das Deutsche Reich entscheiden müssen. Im ersten Fall müssen sie Sprache und Brauchtum aufgeben und loyale Italiener werden. Im zweiten Fall werden sie nach Deutschland ausgesiedelt.
86 % der Südtiroler entscheiden sich zum Verlassen der geliebten Heimat: das Ende des deutschsprachigen Südtirols scheint besiegelt. Tatsächlich ausgesiedelt wurden ca. 75.000 Personen, die Auswanderung wurde jedoch aufgrund der Kriegsereignisse nicht zu Ende gebracht.
1943 Benito Mussolini wird gestürzt. Die deutsche Wehrmacht nimmt die italienischen Streitkräfte in Südtirol kriegsgefangen. Die Verwaltung unseres Landes liegt in reichsdeutschen Händen.
1945 Kriegsende. Einmarsch amerikanischer Panzereinheiten.
1946 Die Südtiroler erhoffen sich den Anschluss an das alte Vaterland Österreich. Die Friedenskonferenz entscheidet jedoch für das weitere Verbleiben unseres Landes bei Italien. Im "Pariser Vertrag" wird Südtirol aber eine begrenzte Selbstverwaltung gewährt.
1960 Italien verzögert die Einhaltung des Vertrages immer wieder, die Stimmung in Südtirol verschlechtert sich zusehends.
Eine Gruppe Südtiroler macht durch Sprengungen von Strommasten und Denkmälern die Welt auf Südtirol aufmerksam. Einige Südtiroler Aktivisten werden gefangen genommen, gefoltert und im "Mailänder Prozess" zu hohen Strafen verurteilt.
Das Südtirol-Problem kommt vor die UNO. Die italienische Regierung fasst den Beschlusss, ihre bisherige Südtirolpolitik zu ändern.
1969 In Verhandlungen zwischen der römischen Regierung, der österreichischen Regierung und den Südtirolern wird ein Dokument ausgearbeitet. Das "Paket" enthält eine Reihe von Zugeständnissen seitens der italienischen Regierung. Sowohl die Südtiroler Volkspartei, als auch Rom und Wien akzeptieren dieses "Paket".
1992 Nachdem auch die letzten Punkte dieses "Pakets" verwirklicht sind, erklärt Österreich im Juni 1992 den Streit um Südtirol für beendet. Österreich hat bis heute noch die Schutzmachtfunktion für Südtirol.

Heute leben die drei Sprachgruppen (Deutsche, Italiener und Ladiner) in unserem Lande friedlich nebeneinander. Jede Volksgruppe hat ihre eigenen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, usw. Deutschsprachige Südtiroler lernen in der Schule als Zweitsprache italienisch und umgekehrt.

Der geschlossene Hof
Das Südtiroler Landschaftsbild wird wesentlich von der Streusiedlung geprägt. Die Waldlichtungen mit Haus und Stadel des Bauern und die umliegenden Grundstücke bilden einen Hof. Unter Hof versteht man also in Tirol die Gesamtheit der Bauten und Grundstücke, die zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehören.

Der Hof ist dann "geschlossen", wenn er nicht geteilt werden darf und als Ganzes vererbt werden muss. Noch zu Lebzeiten überträgt der Besitzer den ganzen Hof seinem Nachfolger. 1526 verbot die Tiroler Landesordnung die Realteilung. Dies zur Sicherung und zum Fortbestand der Höfe und der bäuerlichen Familien und um der Verarmung entgegenzuwirken.

So hat beispielsweise im südlicheren Italien die mehrmalige Zerstückelung des Grundbesitzes zur Landflucht und zum Verlassen der Bergdörfer geführt. Während des Faschismus wurde das Gesetz des geschlossenen Hofes abgeschafft, vom Großteil der Bauern aber freiwillig weitergeführt, bis es in den 1950er Jahren als Landesgesetz wieder eingeführt wurde.

Von den ca. 19.000 landwirtschaftlichen Betrieben Südtirols sind über 11.000 Höfe "geschlossen" – dies zeugt für einen lebendigen Brauch, der heute noch aktueller und wichtiger denn je ist.
Unsere Tracht
Frauentracht: Um 1890 hat sich in ganz Passeier die Burggräfler Frauentracht eingebürgert: Der "Tschoap" ist schwarz und aus schönem Wollstoff. Das Leibl ist eng anliegend, hat weich fallende, lange sich verengende Ärmel. In den Halsausschnitt ist ein kleines Tüchlein gelegt. Über das Leibl gehört ein Fransentuch aus Seide, dessen Farbe mit der bestickten Seidenschürze übereinstimmt. Der Kittel ist gereiht und schwarz.
Männertracht: Am braunen Lodenjoppen befindet sich eine rot-grüne Einfassung. Der untere Teil des Rückens hat drei Falten. Metallknöpfe schließen den Joppen. Die Weste ist rot, hochgeschlossen, hat zwei Reihen kleine Messing- oder Silberknöpfe. Ein farbiges Seidentuch bildet die Halsbinde. Das Hemd ist aus weißem, festem Baumwollstoff bzw. Leinen, hat weite, handgereihte Ärmel, ist bis zur Brusthöhe geschlossen und trägt am Kragen Hexenstichverzierungen. Zur Tracht wir eine lange Lodenhose oder zu festlichen Anlässen die lederne Kniehose getragen. Dazu gehört ein Ledergurt mit Kielstickerei. Der schwarze Hut hat eine aufgebogene Krempe, eine schwarze Schnur mit zwei Quasten an deren Ende.

Bräuche
Wir haben im Gegensatz zu anderen Ortschaften eher wenige Bräuche, die meisten sind religiöser Herkunft.
Anfang Jänner gehen die Sternsinger von Haus zu Haus. Sie tragen Gedichte und Lieder vor uns sammeln Geld für die Mission. An die Haustüren wird mit Kreide das Zeichen 20-C+M+B-18 geschrieben. Das bedeutet C = Christus, M = Mansionem und B = Benedicat (Christus segne dieses Haus 2007).
Am Dreikönigsabend (5.) findet die Haussegnung statt. Jede Familie geht mit einem Weihrauchfass und Weihwasser betend durch das ganze Haus und den Stall/Stadel.
Im Februar, also in der Faschingszeit, laufen Groß und Klein mit Masken von Haus zu Haus und treiben ihren Unfug.
Im März und April bereiten sich alle auf Ostern vor. Der Osterputz gehört dabei ebenso dazu wie das Färben von Eiern. Am Ostersonntag werden Eier, Fleisch, Brot und andere Speisen in die Kirche zur Osterweihe getragen.
Am ersten Samstag im Mai findet der Kreuzgang nach Moos statt, zu dem sich alle Fraktionen versammeln. Für gute Witterung und eine gute Ernte wird bei Bittgängen zu den Kapellen im Dorf gebetet.
Im Juni werden zum Gedenken an das Jahr 1796, als die Tiroler in Bozen das Land Tirol dem Herzen Jesu weihten, die Herz-Jesu-Feuer entzündet. Ebenso findet die Herz-Jesu-Prozession statt.
Am 15. August wird überall "Hoch-unser-Frauentag" gefeiert. Beim Gottesdienst werden Kräuter und Blumensträuße geweiht. Diese werden daheim bei Gewitter angezündet, damit wir vor Hagel und Blitz verschont bleiben mögen. In Pfelders findet ein großes Zeltfest statt.
Im September, am 2. Sonntag im Monat, haben wir in Platt immer Prozession zur Ehre Mariens. Auch der große Almabtrieb in Pfelders ist immer Ende dieses Monats.
Der Oktober bringt uns das Erntedankfest.
Im November, zu Allerheiligen und Allerseelen, werden die Gräber geschmückt.
Zu Beginn der Adventzeit wird ein Adventkranz oder ein Adventgesteck gemacht. Am Barbaratag (4.) werden Kirschzweige eingefrischt, welche bis zur Weihnachtszeit blühen sollten. Am Nikolaustag (6.) kommt der Nikolaus.
Im Laufe des Jahres gibt es auch einen Brauch, der zur jeder Zeit eintreffen kann: Zwei Wochen vor einer Hochzeit kommen die "Schnöller" für eine Woche zum zukünftigen Bräutigam und der Braut und wünschen ihnen viel Glück und Segen. Dabei wird gesungen, getanzt, musiziert, gegessen und getrunken bis in den Morgen hinein.

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